Naturnah gärtnern
Unbeliebte Gartenbewohner sind wichtige Helfer
Spinnen, Asseln, Ohrwürmer oder Weberknechte gehören zu den eher unbeliebten Bewohnern vieler Gärten. Dabei erfüllen sie wichtige Aufgaben im kleinen Ökosystem: Sie fressen Schädlinge, zersetzen organisches Material, bilden Humus und dienen selbst als Nahrung für andere Tiere. Wer seinen Garten naturnah gestaltet, schafft damit Lebensräume für zahlreiche Arten – von Insekten über Vögel bis hin zu Säugetieren wie dem Igel.
„Viele Tiere, die im Garten zunächst als störend empfunden werden, sind in Wirklichkeit wichtige Nützlinge“, erklärt Gerd Teuteberg, Gartenexperte beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Ostwestfalen-Lippe (OWL). „Mit einfachen Maßnahmen können Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer dafür sorgen, dass sich diese Helfer wohlfühlen.“
Wilde Ecken statt perfekter Ordnung
Ein tierfreundlicher Garten muss nicht perfekt aufgeräumt sein. Stauden können im Herbst stehen bleiben, und auch Totholz oder Laubhaufen sollten möglichst nicht entfernt werden. Solche Strukturen bieten vielen Tieren Schutz und Nahrung. In Totholzhaufen leben beispielsweise Asseln, Spinnen, Ohrwürmer oder Käferlarven – letztere sind eine wichtige Nahrungsquelle für Igel.
Auch dicht bepflanzte Beete und seltener gemähte Rasenflächen schaffen feuchte, geschützte Bereiche für Insekten und andere kleine Tiere. Hecken und Kletterpflanzen bieten Vögeln Nistplätze und Rückzugsorte. Blattläuse oder Raupen müssen zudem nicht überall sofort bekämpft werden: Sie sind eine wichtige Nahrungsquelle für Marienkäfer, Wespen, Vögel und viele weitere Tiere.
Viele vermeintliche „Schädlinge“ sind nützlich
Im Garten übernehmen zahlreiche Tiere wichtige Aufgaben:
- Wespen und Marienkäfer fressen große Mengen anderer Insekten und wirken so als natürliche Schädlingsbekämpfer.
- Ohrwürmer, Käfer und Heuschrecken ernähren sich unter anderem von Blattläusen und Raupen.
- Asseln zersetzen abgestorbenes Pflanzenmaterial und tragen so zur Humusbildung bei.
- Schmetterlingsraupen sind unverzichtbar für die Entwicklung von Schmetterlingen und dienen zugleich vielen Vögeln als Nahrung.
- Regenwürmer lockern und belüften den Boden und sorgen für fruchtbare Erde.
- Ameisen zersetzen organisches Material, fördern die Humusbildung und verbessern die Bodenstruktur.
Heimische Pflanzen und Wasserstellen helfen der Tierwelt
Wer blühende Wildstauden, Sträucher und Kräuter pflanzt, bietet Wildbienen, Hummeln, Schmetterlingen und anderen Insekten reichlich Pollen und Nektar. „Artenreiche, lange blühende Beete sorgen dafür, dass vom Frühjahr bis in den Herbst Nahrung vorhanden ist – und davon profitieren auch Vögel, Libellen oder Fledermäuse“, erklärt Teuteberg vom BUND.
Zusätzlich helfen flache Wasserschalen mit kleinen Steinen oder Holzstücken als Ausstiegshilfe. Besonders in trockenen Sommern sind solche Trinkstellen für Insekten, Vögel und andere Tiere lebenswichtig. Wer einen Gartenteich besitzt, kann mit flachen Uferzonen und dichter Bepflanzung wertvolle Lebensräume für Libellenlarven und andere Wasserorganismen schaffen.
Finger weg von Pestiziden und torfhaltiger Erde
Der BUND rät zudem, im Garten auf Pestizide zu verzichten. Diese schädigen nicht nur unerwünschte Insekten, sondern auch wichtige Nützlinge. Auch Herbizide wie Glyphosat zerstören Pflanzen, die vielen Insekten als Nahrungsquelle dienen.
Ebenso problematisch ist torfhaltige Blumenerde: Torf wird aus Mooren gewonnen, wodurch wertvolle Ökosysteme zerstört werden. Gleichzeitig werden dabei große Mengen an klimaschädlichem CO₂ freigesetzt. Stattdessen empfiehlt der BUND die Verwendung von eigenem Kompost oder torffreier Erde.
Vielfalt schafft stabile Ökosysteme
Je vielfältiger ein Garten gestaltet ist, desto mehr Nützlinge können sich ansiedeln. Gute Lebensräume sind zum Beispiel Totholzhaufen, Kompost, Feldsteinmauern, Sandflächen, wilde Ecken oder Hecken aus heimischen Gehölzen. Auch Nisthilfen können beim Beobachten von Insekten helfen – viele Wildbienenarten nisten jedoch im Boden.
Mehr Informationen:
- Den BUNDfunk-Podcast mit Corinna Hölzel zum Start der Gartensaison finden Sie auf diesen Plattformen: YouTube; Deezer; Podcast.de
- BUND-Seite: Schädlinge im Garten natürlich bekämpfen
- BUND-Tipps zum naturnahen Gärtnern
- BUND-Seite: Insektenfreundliches Gärtnern
- BUND-Publikation: Broschüre zu ökologischem Pflanzenschutz
- Nistkasten bauen | BUND Naturschutz
- Igelhaus aus Steinen bauen: Einfache Bauanleitung